Wasser sparen ist mehr als ein Gebot der Vernunft
Bevölkerungswachstum und Dürrekatastrophen machen Wasser sparen zu einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Auch Deutschland ist betroffen und muss seinen Wasserhaushalt ständig neu organisieren.
Wer nach Andalusien, die Hitzekammer Europas, kommt, wundert sich über die abwechslungsreichen Landschaften, die fruchtbaren Böden und die scheinbar unendliche Verfügbarkeit von Wasser, obwohl es viele Monate im Jahr nicht einen Tropfen regnet. Das andalusische Bewässerungssystem, von den Mauren im Mittelalter in Andalusien entwickelt und noch heute funktionstüchtig in Gebrauch, ist eines der effektivsten der Welt. Es basiert auf dem Grundsatz der Sparsamkeit: überall nur so viel Wasser wie gebraucht wird; verschwendung wird vermieden.
Die in vielen Teilen der Welt vorzufindende Wasserknappheit wird verstärkt durch die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen. Selbst in Teilen Deutschlands, in Mecklenburg-Vorpommern, ist seit einigen Jahren zu beobachten, dass es dort im Sommer und Herbst zu außerordentlichen Trockenheiten kommt, was gravierende Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat: zum einen positive, weil in einigen Regionen inzwischen zwei Getreideernten pro Jahr erzielt werden können, überwiegend aber negative Auswirkungen beim Anbau von Feldfrüchten.
Wie viel schwerwiegender müssen da erst die Probleme in den heißen Ländern sein, wo Wasser seit jeher ein besonders knappes und begehrtes Gut ist? In weiten Teilen Afrikas ist es der größte Wunsch der Bevölkerung, überhaupt erst einmal an Wasser zu gelangen. Weite Wege müssen in Kauf genommen werden, um Wasserquellen zu erreichen. Landwirtschaft kann natürlich nur erfolgreich betrieben werden, wenn genug Wasser da ist.
Bei der Wasserverteilung sind dabei Erfahrungen aus heißen Ländern besonders wertvoll, nicht nur aus Andalusien. Auch die gewaltigen Wassermassen des Colorado Rivers in den USA werden durch ein fein differenziertes System der Wasserverteilung bis auf den letzten Tropfen genutzt und halten Städte wie San Francisco und San Diego am Leben. Aber auch technische Einrichtungen sind sehr erfolgreich: So ist die Tröpfchenbewässerung in der Landwirtschaft von besonderem Erfolg. Die Pflanze erhält dabei immer nur so viel Wasser, wie sie tatsächlich braucht. Versickerung und Verdunstung werden dabei niedrig gehalten und so wird Wasser sparen besonders effektiv. In den mitteleuropäischen Ländern und in Deutschland ist das Wasserproblem nicht so groß, doch auch hier ist der sparsame Umgang damit nicht nur aus Kostengründen vernünftig. Wasserverbrauch ist immer auch Wasserverschmutzung und damit Umweltverschmutzung. Wasser sauber zu halten ist demnach genauso wichtig wie Wasser sparen.