Europa Verlag - eine bewegte Verlagsgeschichte.
Höhenflüge und Tiefpunkte sind für Verlage nicht selten, auch im deutschsprachigen Raum. Der Europa Verlag hat zwei Zweige, einen erfolgreichen schweizerischen und einen österreichischen mit heutigem Sitz in Leipzig.
Verlage gibt es im deutschsprachigen Raum zu Hunderten. Viele dieser deutschsprachigen Verlage haben ihren Sitz zunächst in einem der Länder Deutschland, Österreich und Schweiz gehabt und sich dann ausgeweitet. Einer dieser Verlage ist der Europa Verlag.
Emil Oprecht (1895 – 1952) gründete den Verlag nach seiner Buchhändlerlehre und der Eröffnung zweier Buchhandlungen im Jahre 1933. Er spezialisierte sich zunächst auf politische Literatur. Da er aber mit seiner Frau in seiner Wohnung eine Anlaufstelle für emigrierte Autoren unterhielt, wurde er mit der Zeit zu einem wichtigen Schweizer Verleger für Exilliteratur. Autoren, die er verlegte, waren Else Lasker-Schüler, Golo Mann, Ernst Bloch, Heinrich Mann. Auch Ignazio Silone gehörte zu seinen Autoren, ebenso wie – zumindest zeitweise – Thomas Mann. Der Verlag konnte sich damit uneingeschränkt einen der wichtigsten Verlage für Exilliteratur nennen, was sein Ansehen bis heute begründet. Schon im Jahre 1946 wurde eine Filiale in Wien gegründet, die dann aber an den Österreichischen Gewerkschaftsbund überging. Nach dem Tode Oprechts 1952 übernahm seine Frau Emmie den vom österreichischen Zweig unabhängigen Europaverlag; er besteht nach wie vor. Die Filiale in Wien wurde privatisiert und der Sitz von Wien nach München und Hamburg verlegt. Allerdings war dieser Verlag wirtschaftlich nicht sehr erfolgreich. Die beiden Verlagsgesellschafter, Vito von Eichborn und Arne Teutsch, trennten sich. Nach der unabwendbaren Insolvenz gründete Arne Teutsch den Neuen Europa Verlag in Leipzig.
Der aktuelle Stand ist demgemäß: Es gibt zwei Europa Verlage, den einen mit Sitz in Zürich, der eine ungebrochene Firmengeschichte aufweist, den anderen mit Sitz in Leipzig, der sich jetzt Neuer Europa Verlag nennt. Seit 2006 versucht Teutsch den Verlag neu aufzustellen und will mit seinem Programm auch an den alten Zürcher Verlag anknüpfen. Die aktuellen Veröffentlichungen spannen den Bogen von Kindermund Büchern über Kriminalromane – teilweise mit Leipziger Lokalkolorit - bis zu historischen Romanen. Zu einer engeren Zusammenarbeit der beiden Verlage in Leipzig und Zürich – aufgrund der gemeinsamen Wurzeln wäre dies ja denkbar – ist es aber bis jetzt nicht gekommen.